In Brüssel fiel am 04.02.2020 zum zweiten Mal der Startschuss für den europäischen Wettbewerb um den Titel „Europäische Stadt des Fairen und Ethischen Handels“.

Erste Titelträgerin wurde nach einer spannenden und knappen Endausscheidung Ende 2018 die belgische Stadt Gent. Der Preis war auf Initiative von Abgeordneten aus dem Ausschuss der Regionen und aus dem Europäischen Parlament, sowie den Netzwerken der Organisationen für fairen Handel ins Leben gerufen worden. Damit wird auch auf europäischer Ebene kommunales Engagement für fairen und ethischen Handel ausgezeichnet, was bislang bereits in einigen Mitgliedstaaten in nationalen Wettbewerben umgesetzt wurde. In Deutschland ist Neumarkt in der Oberpfalz aktuell Hauptstadt des Fairen Handels.

MdEP Helmut Scholz, einer der Initiatoren des Preises und Jurymitglied im vergangenen Jahr, erklärt dazu: „Ich beglückwünsche die EU-Kommission und Kommissar Phil Hogan, dass sie erneut den Titel der Europäischen Stadt des Fairen und Ethischen Handels vergeben werden.“

„Durch diesen Preis wird sichtbar, von welch entscheidender Bedeutung kommunales Engagement für den Aufbau gerechterer Handelsbeziehungen ist. Ich wünsche mir, dass sich dieses Mal noch mehr Städte und Kommunen am Wettbewerb beteiligen. Zu gewinnen gibt es europaweites Prestige, die Eintrittskarte in das Netzwerk der Städte des Fairen Handels, sowie die finanzielle und technische Förderung eines Kooperationsprojektes bei einem Städtepartner in einem ‚Entwicklungsland‘.“

„Europa braucht fairen Handel. Unsere Bürgerinnen und Bürger sollen sich darauf verlassen können, dass die Ware, die sie im Laden kaufen können, auch zu anständigen Bedingungen hergestellt wurde. Fairer Handel ist nicht nur für die Menschen in sogenannten Entwicklungsländern wichtig. Auch die Bauern und Bäuerinnen bei uns brauchen faire Preise, und auch unsere Beschäftigten brauchen Löhne, die ein würdevolles Leben ermöglichen. Im Binnen- wie im Außenhandel sollte fairer Handel deshalb keine ökonomische Nische sein, sondern zum Normalfall werden.“Kaufentscheidungen von EU-Verbrauchern haben erhebliche Auswirkungen auf die Umwelt und den Lebensunterhalt von Menschen in anderen Ländern. Die Verabschiedung der SDGs im Jahr 2015 hat die Verbraucher in Bezug auf die Art und Weise, wie sie Waren kaufen, gewissenhafter gemacht, doch oft haben sie keinen Zugang zu ausreichenden Informationen über die Auswirkungen ihres Konsums oder zu Anreizen für Änderungen.

Fairer und ethischer Handel kann dazu beitragen, die Gesellschaft in Richtung verantwortungsbewusster Konsummuster zu lenken und den Produzenten in anderen Ländern nachhaltigere Chancen zu bieten. Dies kann viele verschiedene Initiativen und Programme abdecken, die dazu beitragen, die sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Säulen des internationalen Handels voranzutreiben, einschließlich der Rechte der Arbeitnehmer, des Umweltschutzes und der sozialen Eingliederung.

Städte waren traditionell Drehscheiben des globalen Handels und dienten als Tore für die wirtschaftlichen Verbindungen der EU mit dem Rest der Welt. Heute leben mehr als zwei Drittel der Europäer in Städten. Der Großteil des EU-Verbrauchs wird daher von den städtischen Verbrauchern getragen. EU-Städte haben daher ein großes Potenzial für einen nachhaltigen, fairen und ethischen Handel.

Städte sind bereits heute Vorreiter in vielen verschiedenen Nachhaltigkeitsfragen und entwickeln innovative Lösungen für ökologische, soziale oder wirtschaftliche Probleme. Besseres Wissen über die spezifischen lokalen Bedingungen und Interessengruppen ermöglicht es ihnen, kontextspezifische Lösungen zu entwickeln und zu fördern, die eher bei ihren Bürgern und Prioritäten Anklang finden.

Fokus des Preises

Der Preis deckt den nachhaltigen, fairen und ethischen Handel zwischen EU-Städten und Nicht-EU-Märkten ab und zeigt, wie EU-Städte durch ihre eigenen Strategien und Aktivitäten ein Beispiel für eine wertebasierte Handelsagenda setzen.

Dies kann Beispiele wie innovative Initiativen zur Sensibilisierung der Bürger, Durchführung von Bildungsprogrammen oder -kampagnen, Implementierung nachhaltiger Beschaffungs-praktiken, Unterstützung neuer Geschäftsmodelle, Bereitstellung technischer Unterstützung, Schaffung unterstützender Rahmenbedingungen und direkte Zusammenarbeit mit Produzenten in Drittländern umfassen. Die Aktivitäten sind jedoch nicht auf diese Beispiele beschränkt. Wichtig ist, dass die Nachhaltigkeit generell in die Entscheidungsfindung der Stadt einbezogen wird.

Kriterien der Beteiligung am Wettbewerb für die Städte:

1. Städte in EU-Mitgliedstaaten

Für die Zwecke des Preises wird eine Stadt als ein Stadtgebiet (ohne Ballungsräume) und eine lokale Verwaltungseinheit definiert, die von einem Stadtrat oder einer anderen Form demokratisch gewählter Körperschaft, die den Stadtkern abdeckt, verwaltet wird. Nur Städte innerhalb der EU-Mitgliedsstaaten können sich bewerben.

2. Städte mit mehr als 20.000 Einwohnern

Diese Schwelle behält den Fokus der Auszeichnung auf Städte bei und sichert gleichzeitig die Inklusivität. In Ländern, in denen es nicht mindestens drei Städte mit 20.000 Einwohnern gibt, können sich die drei größten Städte des Landes bewerben. Die Teilnehmer können sich in ihrer Größe erheblich unterscheiden, was in den Kontextüberlegungen bei der Bewertung der Anträge berücksichtigt wird.

3. Eine erneute Anmeldung ist nach einer Wartezeit möglich

Vergangene Preisträger können sich nach einer Wartezeit von einem Preisträgerzyklus erneut für den Preis bewerben. Städte, die mit „Special Mentions“ ausgezeichnet wurden, und andere Bewerberstädte können sich in der nachfolgenden Ausgabe sofort erneut bewerben, da für diese Städte keine Wartezeit besteht. „Special Mention“ -Städte werden jedoch nicht für den Wettbewerb in derselben Kategorie berücksichtigt, die sie im vorherigen Zyklus gewonnen haben, da eine Wartezeit von einem Preiszyklus für den erneuten Gewinn derselben Kategorie besteht.

Der Preis unterliegt den folgenden Teilnahmebedingungen:

1. Anmeldung und Teilnahme sind kostenlos

Es gibt keine Gebühren für die Einreichung des Antrags und keine direkten Kosten für die Teilnahme am Wettbewerb.

2. Lokale Behörden sind berechtigt, Anträge einzureichen

Der Antrag kann von einem Vertreter der Stadtregierung oder einem anderen Interessenträger der Stadt wie zivilgesellschaftlichen Organisationen oder Unternehmen gestellt werden. Letztere werden aufgefordert, ihre Stadt durch Starten des Antrags oder Sammeln der erforderlichen Informationen zu benennen. Nominierungen müssen jedoch von der örtlichen Stadtregierung akzeptiert werden, die den Antrag ausfüllen und einreichen muss.

3. Der Antrag muss eine ausgefüllte Bürgermeistererklärung enthalten

Damit der Antrag vollständig und gültig ist, muss er eine ausgefüllte Bürgermeistererklärung enthalten, die von dem nach nationalem Recht zur rechtlichen Vertretung der Stadt bevollmächtigten Unterzeichner unterzeichnet und abgestempelt ist. Dies ist in der Regel der Bürgermeister oder stellvertretende Bürgermeister der Stadt und / oder andere hochrangige politische Vertreter, die für die internationale Zusammenarbeit oder die nachhaltige Entwicklung zuständig sind. In Fällen, in denen der Bürgermeister nicht der Unterzeichner ist, muss die antragstellende Stadt die Befugnis des Unterzeichners erläutern.

Deadline zum Antrag:
12. Juni 2020 , 18:00 Uhr MEZ

Form und Prozess der Antragstellung

Bewerbungen müssen über ein Online-Portal eingereicht werden, das auf der Award-Website zugänglich ist. Eine andere Form der Einreichung wird nicht akzeptiert. Das Online-Portal bietet die Möglichkeit, PDF-Formulare hochzuladen. Die Städte müssen die ausgefüllte Bürgermeistererklärung (im Abschnitt Antragsunterlagen verfügbar) hochladen, die von dem nach nationalem Recht zur rechtlichen Vertretung der Stadt bevollmächtigten Unterzeichner unterzeichnet und abgestempelt wurde. Dies ist in der Regel der Bürgermeister oder stellvertretende Bürgermeister der Stadt und / oder andere hochrangige politische Vertreter, die für die internationale Zusammenarbeit oder nachhaltige Entwicklung zuständig sind. Ohne diese Bürgermeistererklärung ist der Antrag unvollständig und wird nicht berücksichtigt.

Die Antragsteller sollten auf alle sechs inhaltlichen Fragen im Antrag prägnante, zielgerichtete und relevante Antworten geben. Die Anwendung enthält auch eine Zusammenfassung, in der Städte die Geschichte hinter ihrer Anwendung aufzeigen, sowie Kontextfragen, um relevante Informationen für Hintergrundzwecke zu sammeln.

Der Schwerpunkt sollte auf der Entwicklung einer kohärenten, überzeugenden und einnehmenden Geschichte des Ansatzes der Stadt für einen nachhaltigen, fairen und ethischen Handel liegen. Städte können nicht nur die aktuelle Situation beschreiben, sondern auch zukünftige Bestrebungen, Pläne und Strategien sowie gegebenenfalls einen Überblick über die historische Entwicklung enthalten. Mit dem Preis sollen keine vergleichbaren quantitativen Daten erhoben werden. Sofern quantitative Nachweise vorliegen, werden die Städte jedoch aufgefordert, diese beizufügen.

Die Städte werden aufgefordert, Beweise zur Untermauerung ihrer Darstellungen beizufügen. Solche Nachweise tragen zwar zur Erstellung eines überzeugenden und vollständigen Antrags bei, sollten jedoch als ergänzende Ressource für die Überprüfung angesehen werden. Die Bewertung basiert in erster Linie auf den schriftlichen Antworten auf die Fragen.

Es stehen zwei Dokumente zur Verfügung, die die Städte bei der Antragstellung unterstützen. Die Richtlinien für das Antragsformular bieten einen Überblick über die Fragen mit kurzen Erläuterungen. Der Good Practice Report von Sustainable Trade Champions zeigt inspirierende Beispiele für städtische Maßnahmen, die den Antragstellern bei der Auswahl ihrer Inhalte helfen können. Die Beispiele dienen jedoch der Veranschaulichung, und die Städte werden aufgefordert, über den Tellerrand hinaus zu denken und ihre eigenen Innovationsanstrengungen zu untersuchen.

Zusätzlich zu diesen Dokumenten wird eine Reihe von Webinaren organisiert, um die Städte durch den Antrags- und Bewertungsprozess zu führen.

Dokumente zum Antragsverfahren

Bewertung der Anträge

Das Bewertungskomitee prüft alle gültigen Bewerbungen und legt der Jury im August 2020 eine Vorauswahl vor. Die Städte, die in die Vorauswahl kommen, werden gebeten, ihre Bewerbung im September 2020 per Videokonferenz bei der Jury einzureichen. Die Jury wählt dann den Gesamtsieger und die Gewinner der einzelnen Kategorien („Besondere Erwähnungen“) in einer geschlossenen Abstimmung im September 2020 aus.

Kontakt und Beratung

E-Mail: fairandethical@trade-city-award.eu
Tel.: +32 25 481 286

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