Im EU-Programm CERV gibt es den Programmbereich „Bürgerbeteiligung und Teilhabe“ als Aktionsbereich zur Förderung von Bürgerbeteiligung und Teilhabe am demokratischen Leben in der EU. Europaweite multinationale Austausche zwischen Bürgerinnen und Bürgern dienen dem besseren gegenseitigen Verständnis zur Vielfalt der Kulturen sowie der Förderung eines gemeinsamen Geschichts- und Kulturverständnisses innerhalb der EU.

Insbesondere im Bereich Geschichtsbewusstsein (REM) sollen die Unionsbürgerinnen und -bürger durch gemeinsame Projekte zur europäischen Geschichte erinnert, aufgeklärt und sensibilisiert werden. Dazu gehören Themen, wie die Ursachen und Folgen autoritärer und totalitärer Regime, der Widerstand gegen diese Regime, der Holocaust und andere Massenverbrechen, der Übergang zu Demokratie und (Wieder-)Aufbau demokratischer Institutionen, das Erbe des Kolonialismus, die transnationale Migration und die europäische Integration. 

Ziel ist es, die EU-Bürgerinnen und Bürger zu stärken in ihrem gemeinsamen Verständnis für die Union, ihren Ursprung, ihren Zweck, ihre Vielfalt und ihre Errungenschaften sowie damit gegenseitiges Verständnis und Toleranz zu verbessern.

Projektanträge können jeweils nur zu einer der 4x Prioritäten gestellt werden:

  1.  Demokratischer Übergang, (Wieder-)Aufbau und Stärkung der Gesellschaft auf der Grundlage von Rechtsstaatlichkeit, Demokratie und Grundrechten

    Projekte im Rahmen dieser Priorität sollten sich auf den Übergang von autoritärer und totalitärer Herrschaft zur Demokratie in verschiedenen europäischen Ländern, ihre Ähnlichkeiten und Unterschiede und die Lehren konzentrieren, die für die Zukunft in Bezug auf die Verteidigung und Aufrechterhaltung von EU-Werten wie Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Grundrechte gezogen werden können. Gleichzeitig können die Projekte auch die Mittel der historischen Gerechtigkeit untersuchen, sei es durch Gerichtsverfahren, Restitution oder Amnestie.

    Voraussichtliches Budget: 1.510.000,- €

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  2. Stärkung des Gedenkens an den Holocaust, Völkermord, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zur Stärkung der Demokratie in der EU

    Projekte im Rahmen dieser Priorität sollten sich auf spezifische Verbrechen wie den Holocaust, totalitäre Verbrechen oder andere Verbrechen des 20. Jahrhunderts wie Völkermord, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit fokussieren. Projekte im Rahmen dieses Schwerpunkts werden ermutigt, neue Wege der Erinnerung an diese Verbrechen und der Aufklärung darüber zu finden, um die Gesellschaft vor den wiederauflebenden Bedrohungen durch Hass, Antisemitismus, Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Antiziganismus und LGBTIQ-Phobie zu schützen.

    Die Projekte können sich darauf konzentrieren, der Verzerrung, Verharmlosung und Leugnung des Holocaust entgegenzuwirken sowie historisches Material und Zeugenaussagen zu Bildungs- und Ausbildungszwecken zu digitalisieren. Diese Projekte werden ermutigt, auch mit jungen Menschen und anderen Generationen zu arbeiten, um die Erinnerung an die Ereignisse zu vermitteln.

    Die Projekte können sich auch darauf konzentrieren, Neuankömmlinge und Menschen aus Einwandererfamilien zu erreichen und über die Geschichte des Holocaust, des Völkermords, der Kriegsverbrechen und der Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu informieren. Darüber hinaus können Projekte im Rahmen dieser Priorität auch den Widerstand und/oder die organisierte Opposition gegen totalitäre Herrschaft analysieren und hervorheben.

    Projekte im Rahmen dieser Priorität können sich auch auf die Förderung des Bewusstseins und der Erinnerung an den Holocaust an den Rom:nja und Versöhnungsprozesse in der Gesellschaft konzentrieren, um Vorurteile und Antiziganismus als wichtige Ursachen für Diskriminierung abzubauen und zur Erreichung der Ziele des Strategischen Rahmens der EU für die Rom:nja im Bereich der Gleichstellung beizutragen.

    Voraussichtliches Budget: 8.880.000,- €

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  3. Migration, Entkolonialisierung und multikulturelle europäische Gesellschaften 

    Projekte im Rahmen dieser Priorität sollten das Erbe des Kolonialismus innerhalb und außerhalb Europas und seine Auswirkungen auf die heutigen multikulturellen europäischen Gesellschaften untersuchen. Themen wie Diskriminierung und Rassismus sind immer noch mit diesen Erfahrungen verbunden und spielen in der europäischen Erinnerung in den meisten Gesellschaften der EU eine wichtige Rolle.

    Im Einklang mit dem Strategischen Rahmen der EU für die Gleichstellung, Eingliederung und Beteiligung der Rom:nja können Projekte auch das Bewusstsein für die Geschichte und Kultur der Rom:nja schärfen und so zur Stärkung der multikulturellen europäischen Gesellschaften beitragen.

    Projekte im Rahmen dieser Priorität können sich auch mit gemeinsamen europäischen Migrationserfahrungen befassen, die mit einer Vielzahl von Ereignissen wie Kriegen, Übergangsphasen, Kolonisierung und Entkolonisierung, wirtschaftlichen Auswirkungen, Verfolgung oder anderen verbunden sein können. 

    Voraussichtliches Budget: 2.060.000,- €

    Call for Proposal
  4. Die europäische Integration und ihre wichtigsten Errungenschaften 

    Die Projekte im Rahmen dieser Priorität sollten die entscheidenden Momente und Bezugspunkte der europäischen Integration, ihre Geschichte und die Auswirkungen dieser Veränderungen auf das tägliche Leben der Europäer:innen erforschen und allen Generationen nahe bringen. Die Projekte können sich auf bestimmte Rechte konzentrieren, die in der Europäischen Union gewährt werden, wie z. B. die Freizügigkeit, auf besondere Errungenschaften, wie z. B. die gemeinsame Währung, oder auf prägende Momente, wie z. B. den Beitritt von Ländern. Zeitzeugenberichte könnten eine besonders wertvolle Ressource sein, um die Erfahrungen greifbar zu machen und eine generationenübergreifende Perspektive zu bieten.

    Voraussichtliches Budget: 1.550.000,- €

    Call for Proposal

Förderfähige Aktivitäten

  • verschiedene Arten von Organisationen miteinander verbinden, um Synergien zu schaffen (zwischen gemeinnützigen, lokalen, regionalen und nationalen Verwaltungen, Hochschulen und Gedenk- und Lernstätten mit Bildungseinrichtungen)
  • verschiedene Arten von Aktivitäten entwickeln (Schulungsmaßnahmen, Veröffentlichungen, Online-Tools, (Herkunfts-)Forschung, nicht-formale Bildung, öffentliche Debatten, Ausstellungen, Sensibilisierung, Sammlung und Digitalisierung von Zeitzeugenberichten, innovative und kreative Maßnahmen usw.), auch durch den Einsatz neuer Lehrmethoden und neuer Technologien
  • Schulungen erstellen und durchführen für RechtsverteidigerInnen, BeamtInnen, Angehörige der Justiz, StrafverfolgungsbeamtInnen und politische EntscheidungsträgerInnen
  • Schaffung von Möglichkeiten für einen generationenübergreifenden Austausch zwischen ZeitzeugInnen und künftigen Generationen
  • Menschen aus verschiedenen Zielgruppen und unterschiedliche Geschlechter einbeziehen, nach Möglichkeit auch Menschen, die mit Rassismus, Antisemitismus, Antiziganismus oder anderen Formen von Diskriminierung und Intoleranz konfrontiert sind.

Die Projekte sollen eine europäische Dimension haben und vorzugsweise auf transnationaler Ebene durchgeführt werden (einschließlich der Etablierung und Fortführung transnationaler Partnerschaften und Netzwerke).

Erwartete Resultate

  • Beitrag zur Umsetzung von EU-Politiken wie der EU-Strategie zur Bekämpfung von Antisemitismus und zur Förderung des jüdischen Lebens, dem EU-Aktionsplan zur Bekämpfung von Rassismus, der EU-Strategierahmen für die Rom:nja und die Mitteilung Kein Platz für Hass
  • Engagement von EuropäerInnen mit unterschiedlichem Hintergrund und unterschiedlichen Geschlechtern – einschließlich junger Menschen und Personen, die als MultiplikatorInnen fungieren (LehrerInnen, JournalistInnen, staatliche VerwaltungsbeamtInnen, StrafverfolgungsbeamtInnen, Mitglieder der Justiz, politische EntscheidungsträgerInnen, RechtsverteidigerInnen usw.) – das demokratische Institutionen und Strukturen, die auf Rechtsstaatlichkeit basieren, befürwortet, stärkt und unterstützt;
  • Digitalisierung von historischem Material und Zeitzeugenberichten zu Bildungs- und Ausbildungszwecken;
  • Einbeziehung einer europäischen Dimension in relevante nationale und internationale Debatten über wichtige historische Ereignisse und Momente der jüngeren europäischen Geschichte;
  • Identifizierung, Sicherung und Verfügbarkeit, insbesondere online, von Archivmaterial, Zeitzeugenberichten und authentischen Stätten für Bildungs-, Gedenk- und Forschungszwecke;
  • Besseres Bewusstsein für die Rechte und Errungenschaften der europäischen Integration. Verankerung eines Gefühls der Zugehörigkeit der Europäer:innen zum europäischen Projekt;
  • Engagement der EuropäerInnen im Kampf gegen Rassismus, Antisemitismus, Antiziganismus und alle Arten von Intoleranz; Engagement der EuropäerInnen bei der Sicherstellung des Gedenkens an den Holocaust, sowohl offline als auch online
  • Stärkeres Bewusstsein für die historischen Wurzeln von Rassismus, Antisemitismus und Antiziganismus sowie von Kolonialismus und Sklaverei als wichtige Faktoren, die in die europäische Geschichte eingebettet sind und diese geprägt haben;
  • Stärkeres Bewusstsein für den Beitrag von Minderheiten wie den Rom:nja zum kulturellen Reichtum, der Vielfalt und der gemeinsamen Geschichte Europas
  • Aufbau von transnationalen Koalitionen zur europäischen Erinnerung;
  • Bekämpfung von Geschichtsverzerrung, Revisionismus und Negationismus.

Antragsberechtigte Organisationen

  • HauptantragstellerIn („KoordinatorIn“): juristische Personen ohne Erwerbszweck (öffentliche oder private Einrichtungen) oder eine internationale Organisation sein, d.h. zum Beispiel Behörden und Einrichtungen der öffentlichen Hand, Organisationen der Zivilgesellschaft, Gedenkstätten, Museen und Archive, Verbände der Überlebenden, Kultur-, Jugend-, Bildungs- und Forschungseinrichtungen
  • MitantragstellerInnen: juristische Personen ohne Erwerbszweck oder mit Erwerbszweck (öffentliche oder private Einrichtungen) sein. Organisationen, die auf Gewinn ausgerichtet sind, können sich nur in Partnerschaft mit öffentlichen Einrichtungen, privaten gemeinnützigen Organisationen oder internationalen Organisationen bewerben.
  • Sie müssen offiziell in einem der förderfähigen Länder niedergelassen sein, d.h.:
  • EU-Mitgliedstaaten (einschließlich der überseeischen Länder und Gebiete (ÜLG))
  • Nicht-EU-Länder: Länder, die mit dem CERV-Programm assoziiert sind, oder Länder, mit denen derzeit über ein Assoziierungsabkommen verhandelt wird und in denen das Abkommen vor der Unterzeichnung der Finanzhilfe in Kraft tritt (Liste der teilnehmenden Länder).

Ein Konsortium muss mindestens 2 AntragsstellerInnen umfassen.

Projekte können entweder national oder transnational sein. 

Die Aktivitäten müssen in einem förderfähigen Land durchgeführt werden.

Kontakt und Beratung