Hauptziel dieses Call for Proposals ist die Unterstützung, Förderung und Umsetzung umfassender politischer Maßnahmen zur Förderung der uneingeschränkten Wahrnehmung der Rechte durch Frauen, der Geschlechtergleichstellung, einschließlich der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben, der gleichen Bezahlung von Frauen und Männern, der Stärkung der Position der Frau in der Gesellschaft und der durchgängigen Berücksichtigung der Geschlechtergleichstellung (Gender Mainstreaming).

Der aktuelle Aufruf umfasst 2 Prioritäten:

1. Beseitigung der Ursachen des Gefälles bei Betreuungs- und Pflegeaufgaben durch die Förderung eines geschlechtertransformativen Ansatzes und Infragestellung von Geschlechterstereotypen (ca. 4 Mio. €)

In der Europäischen Strategie für Pflege und Betreuung wird die Bedeutung von erschwinglichen, zugänglichen und qualitativ hochwertigen Betreuungs- und Pflegediensten hervorgehoben, um die Beteiligung von Frauen am Arbeitsmarkt und die Gleichstellung der Geschlechter zu verbessern und nachhaltige Arbeitsbedingungen für diejenigen zu fördern, die in der Pflege tätig sind, bisher überwiegend Frauen.

Ziele dieser Priorität:

  • Förderung familienfreundlicher Praktiken in Unternehmen, wodurch Frauen und Männer dazu ermutigt werden, die neuen Rechte im Rahmen der Richtlinie zur Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben in Anspruch zu nehmen (einschließlich Urlaub aus familiären Gründen, neue Formen der Arbeitsorganisation, Telearbeit und hybride Arbeitsformen, flexible Arbeitszeiten, Arbeitszeitverkürzung, Jobsharing usw.);
  • Vorbeugung und Schutz vor jeglicher Form der Benachteiligung und Diskriminierung von Frauen während und nach der Schwangerschaft sowie von Frauen und Männern, die Urlaub aus familiären Gründen (Mutterschafts-/Vaterschafts-/Eltern-/Pflegeurlaub) und flexible Arbeitsregelungen in Anspruch nehmen;
  • Schärfung des Bewusstseins für den Wert der Pflegearbeit durch Reflexion über die Wertschätzung der für die Pflegearbeit erforderlichen Kompetenzen, einschließlich der Soft Skills, der Arbeitsintensität und anderer Aspekte der Arbeitsbedingungen in Pflegeberufen;
  • Infragestellung von Geschlechterstereotypen, die für die traditionelle Arbeitsteilung sorgen, mit dem Ziel,
    • eine gleichberechtigte Aufteilung der informellen Pflegearbeit (Betreuung der Kinder, Hausarbeit und Pflege von Angehörigen usw.) zu fördern, um eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben sicherzustellen;
    • die Rolle der Männer bei der Übernahme von Betreuungs- und familiären Pflichten zu fördern und Männer zu ermutigen, Eltern- und Vaterschaftsurlaub zu nehmen;
    • den Wert der bezahlten Pflegearbeit zu fördern;
    • die Beteiligung von Männern an der (formellen und informellen) Pflegearbeit zu fördern, sowohl bei der Kinderbetreuung als auch bei der Langzeitpflege.

2. Förderung der Umsetzung der Bestimmungen der Richtlinie über Lohntransparenz (ca. 6,1 Mio. €)

  • Im Rahmen dieser Priorität sollen Behörden der Mitgliedstaaten, die für die Umsetzung der Bestimmungen der Lohntransparenzrichtlinie verantwortlich sind (möglicherweise in Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen wie anderen öffentlichen Stellen, privaten Organisationen oder internationalen Organisationen, die sich als Mitantragstellende bewerben können), dabei unterstützt werden, nationale Leitlinien und/oder Instrumente für geschlechterneutrale Systeme der Arbeitsbewertung und beruflichen Einstufung zu entwickeln und Arbeitgeberstrukturen sowie ArbeitnehmervertreterInnen in ihren jeweiligen Ländern für diese Leitlinien und/oder Instrumente zu sensibilisieren.
    Im Einklang mit der Strategie für die Gleichstellung der Geschlechter und um die Ursachen des geschlechterspezifischen Lohngefälles zu bekämpfen, zielt die neue Richtlinie 2023/970 darauf ab, die Anwendung des Grundsatzes des gleichen Entgelts für Männer und Frauen bei gleicher oder gleichwertiger Arbeit durch Lohntransparenz und Durchsetzungsmechanismen zu stärken. Ziel der Richtlinie ist es, das Recht auf gleiches Entgelt besser durchzusetzen und die Erkennung struktureller Lohnunterschiede und Diskriminierung aufgrund des Geschlechts zu erleichtern.
  • Arbeitsbewertungssysteme sind ein Instrument zur Beurteilung des Wertes von Arbeitsplätzen anhand von Faktoren wie dem Kompetenzniveau, dem Aufwand, der Verantwortung oder den Arbeitsbedingungen. Wenn sie nicht geschlechtsneutral verwendet werden, können sie zu der entstandenen Diskriminierung beitragen, indem von Männern und Frauen dominierte Arbeitsplätze unterschiedlich und voreingenommen bewertet werden.

Deadline zur Einreichung des Antrags: 29.02.2024 um 17:00 Uhr MEZ/Brüsseler Zeit
Gesamtbudget zum Aufruf: 10.100.000 €
Minimale Fördersumme: 100.000 €
Projektlaufzeit: max. 24 Monate
Projekte können national oder transnational durchgeführt werden. 
Transnationale Projekte werden besonders gefördert.
Mindestens 2 Antragsteller (Leadpartner, Mitantragsteller) in Priorität 1
Möglichkeit: 1 Antragsteller in Priorität 2.

Antragsberechtigte

Regierungen der Mitgliedstaaten, Behörden auf lokaler und regionaler Ebene und ihre Verbände, SozialpartnerInnen (Vertretungen der ArbeitnehmerInnen oder ArbeitgeberInnen), Arbeitsaufsichtsbehörden, Gleichstellungsstellen, Organisationen der Zivilgesellschaft, insbesondere Frauenrechtsorganisationen, und andere Interessengruppen.

Um im Rahmen der 1. Priorität förderfähig zu sein, müssen Zuschussanträge sämtliche folgenden Kriterien erfüllen:

(a) Die Antragstellenden (Begünstigte und verbundene Unternehmen) müssen:

  • juristische Personen sein (öffentliche oder private Körperschaften);
  • Sie müssen eine internationale Organisation sein oder in einem der förderfähigen Länder ansässig sein, d.h.:
    • EU-Mitgliedstaaten (einschließlich überseeischer Länder und Gebiete (ÜLG))
    • Nicht-EU-Länder: Länder, die mit dem CERV-Programm verbunden sind oder Länder, die sich in laufenden Verhandlungen über ein Assoziierungsabkommen befinden und wo die Vereinbarung vor der Unterzeichnung der Fördervereinbarung in Kraft tritt. 

(b) Organisationen, die gewinnorientiert sind, können sich nur in Partnerschaft mit öffentlichen Einrichtungen oder privaten gemeinnützigen Organisationen bewerben;
(c) Die Aktivitäten müssen in einem der förderfähigen Länder stattfinden;
(d) Die maximale Dauer der Maßnahme beträgt 24 Monate;
(e) Der beantragte EU-Zuschuss darf nicht weniger als 100.000 EUR betragen;
(f) Das Projekt kann entweder national oder transnational sein;

(g) An der Bewerbung müssen mindestens zwei Antragstellende beteiligt sein (HauptantragstellerIn und mindestens ein/e MitantragstellerIn, die/der kein/e verbundene Einrichtung oder assoziierte/r PartnerIn ist).

Um im Rahmen der 2. Priorität förderfähig zu sein, müssen Zuschussanträge sämtliche folgenden Kriterien erfüllen:

(a) Hauptantragstellende müssen nationale EU-Behörden sein, die für Umsetzung der Bestimmungen der Entgelttransparenzrichtlinie (z. B. zuständiges Ministerium oder nationale Agentur) zuständig sind; wobei nur ein Antrag pro Mitgliedstaat angenommen wird;
(b) Mitantragstellende (falls vorhanden) müssen internationale Organisationen oder öffentliche Einrichtungen oder private Organisationen sein, die offiziell in einem der förderfähigen Länder niedergelassen sind, d.h.:

  •  EU-Mitgliedstaaten (einschließlich überseeischer Länder und Gebiete (ÜLG))
  • Nicht-EU-Länder: Länder, die mit dem CERV-Programm verbunden sind oder Länder, die sich in laufenden Verhandlungen über ein Assoziierungsabkommen befinden und wo die Vereinbarung vor der Unterzeichnung der Erteilung in Kraft tritt. 

(c) Die Aktivitäten müssen in einem der förderfähigen Länder stattfinden;
(d) Die maximale Dauer der Maßnahme beträgt 24 Monate;
(e) Der beantragte EU-Zuschuss darf nicht weniger als 100.000 EUR betragen;
(f) Das Projekt kann entweder national oder transnational sein;
(g) An der Bewerbung können eine oder mehrere Organisationen (Hauptantragstellende und Mitantragstellende) beteiligt sein.

Erwartete Ergebnisse:

1. Beseitigung der Ursachen des Gefälles bei Betreuungs- und Pflegeaufgaben durch einen geschlechtertransformativen Ansatz und die Infragestellung von Geschlechterstereotypen

  • Bessere Kenntnisse über das Gefälle bei Betreuungs- und Pflegeaufgaben und über Möglichkeiten, Geschlechterstereotype in Bezug auf Pflege und Arbeit zu bekämpfen;
  • bessere Kenntnisse über und geschärftes Bewusstsein für potenzielle Hindernisse für die Gleichstellung der Geschlechter, einschließlich Hindernisse für eine gleichberechtigte Aufteilung von Pflege- und Hausarbeit sowie Hindernisse für die Inanspruchnahme von Urlaub aus familiären Gründen und familienfreundlichen Arbeitszeitregelungen;
  • geschärftes Bewusstsein für politische Maßnahmen und Beispiele für bewährte Verfahren, die zu mehr Gleichberechtigung am Arbeitsplatz sowie zu einer besseren Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben für berufstätige Frauen und Männer im gesamten Verlauf des Lebens führen, sowie Beispiele für bewährte Verfahren von Unternehmen und Behörden;
  • gesteigertes Wissen über die Arbeitsbedingungen in der Pflege und den Wert der Pflegearbeit;
  • geschärftes Bewusstsein für politische Maßnahmen und Beispiele für bewährte Verfahren, die zu nachhaltigeren Arbeitsbedingungen in der Pflege führen und die Geschlechtertrennung in der Pflege beseitigen;
  • letztendlich führt dies zu einer besseren Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben für Frauen und Männer im Laufe des Lebens, verringert das Gefälle bei Betreuungs- und Pflegeaufgaben und sorgt für mehr Gleichberechtigung.


2. Förderung der Umsetzung der Bestimmungen der (vorgeschlagenen) Richtlinie über Lohntransparenz

  • Einführung geschlechtersensibler Instrumente und Methoden für transparente Lohnsysteme und Aufdeckung direkter oder indirekter Entgeltdiskriminierung aufgrund des Geschlechts im Zusammenhang mit der Unterbewertung von Tätigkeiten, die typischerweise von Frauen ausgeführt werden, sowie Korrektur dieser Systeme;
  • stärkeres Bewusstsein für den Zweck und den Nutzen von Systemen zur geschlechtsneutralen Arbeitsbewertung und beruflichen Einstufung;
  • besseres Wissen und Fachwissen, um Verhandlungen über gleiches Entgelt und über Systeme zur geschlechtsneutralen beruflichen Einstufung zu führen;
  • Infragestellung traditioneller, veralteter und intransparenter Kriterien für die Bewertung und den Vergleich des Wertes von Arbeit, die nicht geschlechtsneutral sind und somit die Trennung in der Berufswelt und die Ungleichheit bei der Entlohnung aufgrund des Geschlechts verstärken.

Geförderte Aktivitäten:

1. Beseitigung der Ursachen des Gefälles bei Betreuungs- und Pflegeaufgaben durch einen geschlechtertransformativen Ansatz und die Infragestellung von Geschlechterstereotypen:

  • Entwicklung neuer Konzepte zur Förderung der Aufteilung der Pflegeaufgaben, wenn beide PartnerInnen berufstätig sind, und zur Bekämpfung von Geschlechterstereotypen;
  • Kapazitätsaufbau und Schulungen, u. a. für Personalverantwortliche, VertreterInnen von Behörden, SozialpartnerInnen und anderen betroffenen AkteurInnen, einschließlich Organisationen der Zivilgesellschaft;
  • gegenseitiges Lernen, Austausch von bewährten Verfahren, Zusammenarbeit zwischen verschiedenen AkteurInnen;
  • Verbreitung von Informationen und Sensibilisierungsmaßnahmen, auch über soziale Medien oder Pressekampagnen.

Bevorzugt werden praxisnahe Projekte, die konkrete Maßnahmen entwickeln und umsetzen und die Zielgruppe einbeziehen. Gegebenenfalls sollten Antragstellende eine aktive Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an der Gestaltung und Durchführung von Aktivitäten anstreben.

2. Förderung der Umsetzung der Bestimmungen der Richtlinie über Lohntransparenz

  • Entwicklung von Leitlinien, Instrumenten und Checklisten für die Bewertung und den Vergleich von gleichem Entgelt für gleiche oder gleichwertige Arbeit innerhalb desselben Arbeitgebers, einschließlich der Umsetzung von Systemen zur geschlechtsneutralen Arbeitsbewertung und beruflichen Einstufung zur Verwendung durch öffentliche und private ArbeitgeberInnen und allgemein durch die SozialpartnerInnen im Rahmen von Tarifverhandlungen;
  • Entwicklung und Durchführung von Schulungsprogrammen zur Unterstützung von ArbeitgeberInnen und SozialpartnerInnen bei der Bewertung von gleichem Entgelt für gleiche oder gleichwertige Arbeit und bei der Einführung von Systemen zur geschlechtsneutralen Arbeitsbewertung und beruflichen Einstufung;
  • Förderung von Systemen zur geschlechtsneutralen Arbeitsbewertung und beruflichen Einstufung;
  • Überwachung der Umsetzung des Konzepts der gleichwertigen Arbeit durch die Bewertung der bestehenden Systeme zur Arbeitsbewertung und beruflichen Einstufung von ArbeitgeberInnen und SozialpartnerInnen sowie Änderungsempfehlungen, sofern erforderlich, um den Grundsatzes des gleichen Entgelts und die Kriterien der Geschlechtsneutralität zu erfüllen.

Bevorzugt werden praxisnahe Projekte, die konkrete Maßnahmen entwickeln und umsetzen und die Zielgruppe einbeziehen.


Im Rahmen beider Prioritäten wird erwartet, dass die Projektgestaltung und -umsetzung die Gleichstellung der Geschlechter und das Mainstreaming von Nichtdiskriminierung fördert. BewerberInnen sollten ihrem Antrag eine Gender-Analyse beifügen, die geschlechtsspezifische Bedürfnisse und Risiken abbildet.

Projekte können national oder transnational sein. 

Kontakt und Beratung:

Kontaktstelle CERV Deutschland
Irmintrudisstraße 17
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Tel.: +49 228-2420 997; 

+49 228-96500296;