Die ESF-Sozialpartnerrichtlinie „Wandel der Arbeit sozialpartnerschaftlich gestalten: weiter bilden Gleichstellung fördern“ zielt auf die Stärkung der sozialpartnerschaftlichen Gestaltung der Arbeitswelt sowie auf die Entwicklung einer nachhaltigen Personalpolitik und Unternehmenskultur in der Wirtschaft. Sie ist eine Initiative des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS), der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) sowie des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). In diesem Rahmen wurden und werden Projekte gefördert, die z.B. auf die Stärkung qualifikationsgerechter und existenzsichernder Erwerbsbeteiligung von Frauen und die Erprobung neuer Arbeitsformen und Arbeitszeitmodelle ausgerichtet sind.

Innerhalb der Richtlinie werden Maßnahmen in 4 Handlungsfeldern entwickelt und erprobt:

  1. Weiterbildung im Wandel fördern;
  2. Gleichstellung gestalten;
  3. Regionale Verbünden zur Stärkung von Weiterbildung und/oder Gleichstellung in KMU;
  4. Modellentwicklung innovativer Ansätze zur Stärkung von Weiterbildung und/oder Gleichstellung.
  1. Weiterbildung in Teilzeit;
  2. Nachhaltigkeit.

Es können ebenso Interessenbekundungen zu den anderen Themenschwerpunkten eingereicht werden.

Themenschwerpunkt a): Weiterbildung in Teilzeit

Weiterbildung ist eine zentrale Bedingung dafür, den Wandel im Interesse der Beschäftigten und der Betriebe erfolgreich zu bewältigen. Teilzeitbeschäftigte nehmen jedoch seltener Qualifizierungsangebote wahr. Insbesondere die Weiterbildungsbeteiligung von Müttern und Migrantinnen ist gering. Menschen mit Betreuungspflichten nehmen seltener an beruflicher Weiterbildung teil.
Durch den Ausbau bedarfsgerechter Angebote für Teilzeitbeschäftigte und eine flexiblere und sozial gerechtere Teilhabe an Weiterbildung, sollen Projektvorhaben zur Weiterbildung in Teilzeit besonders unterstützt und gefördert werden.

Im Mittelpunkt steht die Entwicklung, Erprobung und Einführung von sozialpartner-schaftlichen Konzepten und Maßnahmen, um die Weiterbildungsbeteiligung von Teilzeitbeschäftigten zu erhöhen, Weiterbildungsteilzeiten zu ermöglichen, die Beziehung zum Unternehmen aufrecht zu erhalten und die Aufnahme von Weiterbildung dadurch attraktiver zu machen.

Förderfähige Aktivitäten:

  • Beratung und Qualifizierung von Unternehmen (z.B. Schlüsselpersonen wie Fach- und Führungskräfte, Personalverantwortliche) und betrieblichen Interessenvertretungen zu Weiterbildungsbedarfen von Teilzeitkräften und geringfügig Beschäftigten, um auch unterrepräsentierte Beschäftigtengruppen besser zu erreichen;
  • Innovative, flexible und passgenaue Konzepte zur Weiterbildung während familienbedingter Erwerbspausen oder Arbeitszeitreduktionen, zur Stärkung der Weiterbildungsbeteiligung von Teilzeit-Beschäftigten und zur Erhöhung der Attraktivität von Weiterbildung im Minijob für Betriebe und Beschäftigte;
  • Entwicklung individuell gestaltbarer Weiterbildungsangebote, die sich flexibel an den jeweiligen Lebenssituationen der Beschäftigten orientieren;
  • Entwicklung, Zugang und Erprobung digitaler Weiterbildungsangebote als Instrument für Teilzeitbeschäftigte und zur Stärkung digitaler Kompetenzen für alle Beschäftigten;
  • Geschlechtersensible Ausgestaltung von Qualifizierungsangeboten und geschlechtergerechter Zugänge; niedrigschwellige Zugänge, die eine ggf. vorliegende Lernentwöhnung berücksichtigen;
  • Entwicklung und Erprobung von Arbeits(zeit)modellen zur Unterstützung des beruflichen Wiedereinstiegs;
  • Entwicklung und Erprobung von Teilzeitmodellen für ältere Beschäftigte;
  • Aufstiegsperspektiven für Frauen durch Qualifizierung und Coaching, Führen in Teilzeit für Frauen und Männer, Job-Sharing;
  • Innovative Ansätze zur Förderung der Unternehmensbindung und des Arbeits-Mindsets, intergenerationelles Lernen, generationenübergreifende Teambuildings, Coaching- und Mentoringprogramme.

Themenschwerpunkt b): Nachhaltigkeit

Nachhaltige Entwicklung zu generieren bedeutet, den Bedürfnissen der heutigen sowie künftiger Generationen gerecht zu werden. Nachhaltigkeit ist interdisziplinär. Ökologische, ökonomische und soziale Dimension sind miteinander verbunden. Es geht um Energie und Klimaschutz, aber auch um Fragen von sozialer Gerechtigkeit und Bildung. Dafür bedarf es einer wirtschaftlich leistungsfähigen, sozial ausgewogenen und ökologisch verträglichen Entwicklung. Um die Ziele der deutschen Nachhaltigkeitsstrategie, wie der Agenda 2030, zu erreichen, leistet auch die ESF- Sozialpartnerrichtlinie ihren Beitrag. Sowohl die Geschlechtergleichstellung als auch die Förderung des lebenslangen Lernens gehören zu den siebzehn Nachhaltigkeitszielen.

Es sollen Projektvorhaben besonders unterstützt und gefördert werden, die die ökologische, ökonomische und soziale Dimension der Nachhaltigkeit ganzheitlich aufgreifen, nachhaltige Personalpolitik und Unternehmenskultur stärken und sozialpartnerschaftlich gestalten.

Im Mittelpunkt dieses Schwerpunkts steht die Entwicklung, Erprobung und Einführung von sozialpartnerschaftlichen Konzepten und Maßnahmen zur Gestaltung der Transformationsprozesse, zum Aufbau nachhaltiger Weiterbildungsstrukturen und zur Stärkung der gleichberechtigten Gestaltung einer nachhaltigen Arbeitswelt.

Förderfähige Aktivitäten:

  • Entwicklung und Erprobung von Konzepten zur Bindung von Beschäftigten im Unternehmen;
  • Flexible und passgenaue Konzepte zur Erhaltung der Beschäftigungsfähigkeit (z.B. Gesundheitsschutz) und zur Gewinnung und Bindung älterer Beschäftigter, u.a. durch Gesundheitsförderung, attraktive Arbeits(zeit)modelle;
  • Strategien zur Förderung von Standards in Branche und Regionen, u.a. durch die Initiierung von sozialpartnerschaftlichen oder betrieblichen Vereinbarungen zur Nachhaltigkeit;
  • Beratung und Qualifizierung von Unternehmen und Interessenvertretungen zur ökologischen, ökonomischen und sozialen Dimension der Nachhaltigkeit;
  • Aufbau regionaler Beratungsstrukturen und Netzwerke zur ökologischen, ökonomischen und sozialen Dimension der Nachhaltigkeit;
  • Nachhaltige Strategien und Konzepte zum Wissenstransfer und intergenerationellem Lernen;
  • Einbindung strategischer Partner zum Wissensaustausch und Wissenstransfer.

Antragsberechtigte:

  • Tarifparteien und Sozialpartner;
  • Juristische Personen des privaten und öffentlichen Rechts (auch öffentliche Unternehmen, jedoch keine öffentliche Verwaltung);
  • Rechtsfähige Personengesellschaften

mit einer Betriebsstätte oder Niederlassung in Deutschland.

Kontakte und Beratung:

Bundesministerium für Arbeit und Soziales

Referat EF 1 – 
Europäischer Sozialfonds 
Verwaltungsbehörde, 
Digitale Transformation
53107 Bonn

E-Mail: vigruef1@bmas.bund.de

ESF-Regiestelle „Wandel der Arbeit“

c/o Forschungsinstitut Betriebliche Bildung (f-bb) gGmbH

Stresemannstrasse  121
10963 Berlin

Tel.: 030 417498630 

Beratungshotline: montags von 13.30-16 Uhr und donnerstags von 10-12.30 Uhr

E-Mail: regiestelle@wandelderarbeit.de

Offene Sprechstunde am 13.03.24, 10:00-11:00 Uhr

Bei administrativen Fragen und Fragen zu Förderbedingungen:

Deutsche Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See
(DRV KBS)
Tel.: 0355 355 486 913

Servicezeiten:
Mo-Do: 8-16 Uhr, Fr: 8-15 Uhr

E-Mail: wandel-der-arbeit@kbs.de