Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales startete am 01.02.24 den 2. Förderaufruf zum ESF-Plus Bundesprogramm „Win-Win – Durch Kooperation zur Integration“

Die soziale Integration und die Arbeitsmarktintegration von jungen Männern mit besonderen Schwierigkeiten beim Zugang zu Bildung, Ausbildung und Beschäftigung im erwerbsfähigen Alter von 18 bis 35 Jahren stellt trotz eines stabilen Arbeitsmarktes viele deutsche Kommunen (Städte/ Gemeinden/Landkreise) vor besondere Herausforderungen. Dabei handelt es sich insbesondere um junge Männer mit Migrationshintergrund und nichterwerbstätige junge Männer, die von der Arbeitsverwaltung (Agenturen für Arbeit, Jobcenter) nicht (mehr) erreicht und betreut werden können oder die eine Kooperation mit den örtlichen Agenturen für Arbeit oder Jobcentern verweigern oder diese ablehnen. 

Oftmals stehen der Aufnahme einer Arbeit oder Ausbildung mehrere Hemmnisse entgegen, die zumeist kumuliert auftreten. Dazu gehören zum Beispiel fehlende oder geringe schulische sowie berufliche Qualifikationen und Kompetenzen, nicht ausreichende deutsche Sprachkenntnisse, gesundheitliche Einschränkungen oder problematische Wohnbedingungen sowie fehlende soziale Kontakte. Oftmals sind die betroffenen jungen Männer auf sich allein gestellt oder sind nach langer Arbeitslosigkeit entmutigt und suchen keine Arbeit mehr.

Ohne regelmäßiges Erwerbseinkommen oder einen Zugang zu vorhandenen Angeboten des regulären Hilfesystems führt dies in der Regel zu existenziellen Notlagen und es besteht die Gefahr einer illegalen oder prekären Beschäftigung oder Kriminalität und Straffälligkeit. 

Ziel ist die Bildung von neuen Kooperationen oder die Einbindung von neuen Kooperationspartnern in bereits vorhandene Trägerstrukturen vor Ort, wie: 

  • Kommunen und/oder Einrichtungen der öffentlichen Verwaltung, 
  • Arbeitsverwaltung (Agentur für Arbeit, Jobcenter), 
  • zivilgesellschaftlichen Organisationen sowie 
  • Unternehmens- und Wirtschaftsverbänden und/oder
  • lokalen (Sozial-)Unternehmen und Betrieben aus unterschiedlichen Branchen.

Sie entwickeln und erproben sozial-innovative und auf die individuellen sozialen Problemlagen und Bedarfen der Zielgruppe zugeschnittene Lösungskonzepte sowie passgenaue und sich gegenseitig verstärkende teilnehmerbezogene Maßnahmen, die zu einer Verbesserung des Zugangs und der Heranführung an den Arbeitsmarkt beitragen.

Angebote der Regelförderung können durch die neuen Verbünde mit Projektbausteinen des ESF Plus-Programms „Win-Win“ sinnvoll kombiniert werden. 

Ein weiteres Ziel ist der Transfer von sozialen Innovationen auf andere Kommunen

Die Projekte müssen in die kommunale Integrationsstrategie vor Ort eingebunden und in den kommunalen Strukturen verstetigt werden. Damit soll die Handlungsfähigkeit der betroffenen Menschen und somit die Gesellschaft langfristig gestärkt werden.

Projekte werden in 4 Einzelzielen gefördert: 

Einzelziel 1: Entwicklung, Erprobung und Transfer von neuen sozial-innovativen Lösungsansätzen und Maßnahmen zur Verbesserung des Zugangs und der Heranführung an den Arbeitsmarkt von jungen Männern, die von den Agenturen für Arbeit oder Jobcentern vor Ort nicht (mehr) erreicht und betreut werden können, auf andere Kommunen. 

Einzelziel 2: Transfer, Weiterentwicklung und Erprobung von bereits identifizierten und geförderten sozial-innovativen Lösungsansätzen und Maßnahmen zur Verbesserung des Zugangs und der Heranführung an den Arbeitsmarkt von jungen Männern, die von den Agenturen für Arbeit oder Jobcentern vor Ort nicht (mehr) erreicht und betreut werden können, in anderen Kommunen. 

Einzelziel 3: Entwicklung, Erprobung und Transfer von neuen sozial-innovativen Lösungsansätzen und Maßnahmen zur Verbesserung des Zugangs und der Heranführung an den Arbeitsmarkt von jungen Männern, die eine Kooperation mit den Agenturen für Arbeit oder Jobcentern verweigern oder diese ablehnen, auf andere Kommunen. 

Einzelziel 4: Transfer, Weiterentwicklung und Erprobung von bereits identifizierten und geförderten sozial-innovativen Lösungsansätzen und Maßnahmen zur Verbesserung des Zugangs und der Heranführung an den Arbeitsmarkt von jungen Männern, die eine Kooperation mit den Agenturen für Arbeit oder Jobcentern verweigern oder diese ablehnen, in anderen Kommunen. 

Projekte dürfen nur auf 1 Einzelziel ausgerichtet sein und nicht mit anderen Einzelzielen kombiniert werden. 

Fördervoraussetzung zur Erreichung der Einzelziele 1 bis 4 ist die Bildung von neuen Kooperationsverbünden bestehend aus mindestens einer/eines: 

  • Kommune (Stadt, Gemeinde, Landkreis) und/oder Einrichtung der öffentlichen Verwaltung, 
  • örtlichen Agentur für Arbeit und/oder eines Jobcenters, 
  • zivilgesellschaftlichen Organisation und 
  • Unternehmens- und Wirtschaftsverbands und/oder einer angemessenen Anzahl von lokalen (Sozial-)Unternehmen und Betrieben aus unterschiedlichen Branchen. 

Förderfähige Aktivitäten (Auswahl):

Auf der strukturellen Ebene

  • Einrichten einer unabhängigen Koordinierungsstelle zur Stärkung des Zusammenhalts und Sicherstellung einer kontinuierlichen Kommunikation zwischen den beteiligten Akteuren und externen Partnern;
  • bei Bedarf Einbindung einer neutralen unabhängigen Moderation;
  • Fort- und Weiterbildungen zur Reflektion der eigenen Haltung zu bestehenden oder neuen Kooperationen oder Stärkung von Soft Skills oder Gender-Kompetenzen;
  • Aktivitäten zur Einbindung von Vorhaben in die kommunale Integrationsstrategie und Absicherung der Nachhaltig- keit des Vorhabens in kommunalen Strukturen;
  • Förderung und Unterstützung des Transfers von sozialen Innovationen auf andere Kommunen durch frühzeitige Einbindung von und Austausch mit anderen Kommunen, Transferworkshops, Vernetzungsaktivitäten sowie öffent- lichkeitswirksame Strategien und Maßnahmen;
  • Sensibilisierung von Mitarbeitenden in Betrieben und Einrichtungen der öffentlichen Verwaltung zu den Lebens- lagen der Zielgruppe und Themen kultureller Vielfalt und Antiziganisimus;
  • Unterstützung des Auf- und Ausbaus von branchenübergreifenden Unternehmensnetzwerken und bei der Einrichtung von (über-)betrieblichen Trainingsangeboten;
  • Gewinnung von (Teilzeit-)Ausbildungs- und Arbeitsplätzen für Programm-teilnehmende. 

Auf der teilnehmerbezogenen Ebene

  • Information und Beratung über die Angebote und den Zugang zur allgemeinen und berufsbezogenen Deutsch-Sprachförderung inklusive niedrigschwelliger Angebote mit Sprachförderanteilen, insbesondere zu den Fördermöglichkeiten durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge;
  • Seminare und Workshops zur Förderung von sozialen, interkulturellen und Gender-Kompetenzen sowie beispiels- weise Motivations-, Kommunikations- oder Anti-Gewalttrainings, die auch zu Verhaltensänderungen beitragen sollen;
  • aufsuchende − bei Bedarf möglichst muttersprachliche − Sozialarbeit und begleitende Unterstützung bei der Strukturierung des Tagesablaufs;
  • Information und Unterstützung bei der Kontaktaufnahme mit Behörden und der Inanspruchnahme von Angeboten des regulären Hilfesystems, wie beispielsweise Suchtberatung, Schuldnerberatung, Obdachlosenhilfe, sowie von lokalen/regionalen Hilfsangeboten;
  • Information und Beratung über den (rechtlichen) Zugang und Anspruchs-voraussetzungen für Förderangebote und Leistungen der Agenturen für Arbeit und Jobcenter, die bedarfsentsprechende Beratung und Förderung in eigener Zuständigkeit anbieten und leisten, und zu inhaltlich anschließenden Vorhaben;
  • Motivation und Anreize zur Teilnahme an betrieblichen Trainings oder Praktika und schrittweisen Aufnahme einer sozialversicherungspflichtigen Ausbildung/Beschäftigung/selbstständigen Tätigkeit oder Nachholen einer schuli- schen Bildung.

Antragsberechtigte:

Antragsberechtigt sind grundsätzlich alle juristischen Personen des privaten und öffentlichen Rechts sowie rechtsfähige Personengesellschaften, zum Beispiel: 

  • Bildungsträger, 
  • Kommunen, 
  • Träger der freien Wohlfahrtspflege sowie 
  • sonstige gemeinnützige Träger, 
  • Forschungsinstitute, 
  • Verbände und sonstige Unternehmen. 

Natürliche Personen können keine Zuwendung nach dieser Förderrichtlinie erhalten. 

Antragsteller müssen ihre fachlich-inhaltliche sowie administrative Befähigung zur Durchführung eines Vorhabens darlegen und eine zweckentsprechende Verwendung der Zuwendung sicherstellen.

Vorhabenträger und Teilvorhabenpartner, die in Runde 1 gefördert wurden, sind in Runde 2 nicht förderfähig.

Anforderungen an die Interessenbekundung:

  • fachliche und administrative Qualifikation des Antragstellenden 
  • soziale Problemlagen und Handlungsbedarf für die Zielgruppe 
  • Bildung und Zusammenarbeit eines neuen Kooperationsverbunds 
  • Zielsetzung des Vorhabens und Transfer von sozialen Innovationen auf andere Kommunen 
  • Zielwerte des Vorhabens 
  • Beitrag zur Umsetzung der bereichsübergreifenden Grundsätze (ehemals Querschnittsziele) insbesondere bezogen auf die Teilnehmenden 
  • Einbindung und Verstetigung von Vorhaben in die kommunale Integrationsstrategie und in kommunale Strukturen 
  • Arbeits- und Zeitplan 
  • Finanzierungsplan. 

Kontakt und Beratung:

Bei administrativen Fragen und Fragen zu Förderbedingungen: 

Deutsche Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See
(DRV KBS)

Servicezeiten: Mo-Do: 8-16 Uhr, Fr: 8-15 Uhr
Tel.: 0355 355 486 923

E-Mail: win-win@kbs.de

Bundesministerium für Arbeit und Soziales

Referat EF2
53107 Bonn

E-Mail: EHAP-Plus@bmas.bund.de

Thomas Becker: thomas.becker@bmas.bund.de

Elisabeth van der Linde: elisabeth.vanderlinde@bmas.bund.de

Online-Informationsveranstaltungen des BMAS:

Dienstag, 06.02.24 von 11:00-14:00 Uhr

Mittwoch, 06.03.24 von 11:00-14:00 Uhr

Anmeldung erforderlich über: https://reg.bmas.de/esfplus

Vorab Fragen senden an: Win-Win@bmas.bund.de